Aktuelle Termine Bericht der Gemeinderatssitzung vom 06.08.2015

Leserbrief

Dezentrales Betreuungskonzept für die Kindergärten in Külsheim und in den Stadtteilen gefordert

Nach der letzten Sitzung des Gemeinderats in Külsheim, am 15.06.2015, dürfte allen klar sein, in welche Richtung die Planungen der Stadtverwaltung und der Katholischen Kirchengemeinde gehen: Schaffung einer Großeinrichtung in Külsheim und mögliche Schließung der Kindergärten in Eiersheim und Steinbach. Wie Bürgermeister Thomas Schreglmann mehrmals bekräftigte, wurden die in der Gemeinderatssitzung bislang diskutierten vier Betreuungsvarianten auch in Absprache mit der Katholischen Kirchengemeinde getroffen. Pater Joachim selbst gab jedoch in der Gemeinderatssitzung den Hinweis, dass Pfarrgemeinderat und Stiftungsrat hierüber erst noch zu beraten und zu beschließen hätten.

Wurde hier nicht der dritte vor dem ersten Schritt getan und einer förmlichen Entscheidung der katholischen Gremien vorgegriffen und bereits Fakten geschaffen?


Bei dieser schwierigen Entscheidung ist Mut für eine öffentliche Diskussion und vor allen Dingen Transparenz bei der Entscheidungsfindung, auch von der Katholischen Kirchengemeinde, gefordert. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter in den kirchlichen und kommunalen Gremien sind gefragt, gemeinsam eine Entscheidung, auch zum Wohl der Stadtteile, zu treffen.

Seit der Eingemeindung hat Eiersheim das Rathaus- und das Lagerhausgebäude verloren, sie wurden verkauft. Die damals neugebaute Schule wurde zugunsten der Nachbargemeinde geschlossen. Mit der geplanten Schließung des Kindergartens würde das Ort seine letzte soziale öffentliche Einrichtung verlieren. Eine Einrichtung, die von den Eiersheimern 1951 in Eigenleistung erbaut und vor einigen Jahren renoviert wurde. Eine Einrichtung, für dessen Erhalt vor fast zehn Jahren der erste Kindergartenförderverein im Stadtgebiet gegründet und in der erstmals in der Gesamtstadt ein Betreuungsangebot für unter dreijährige Kinder konzipiert und angeboten wurde. Das Zusammenspiel zwischen räumlich optimalen Voraussetzungen und dem naturnahen pädagogischen Ansatz wird schon seit nahezu 10 Jahren von Familien aus der Kernstadt und den Stadtteilen gerne angenommen. Sie bringen auch heute ihre Kinder täglich in den Eiersheimer Kindergarten.

Für uns ist es deshalb nicht akzeptabel, dass unser intakter Kindergarten mit naturnahem Außen- bereich und altem Baumbestand zugunsten eines zentralen Großkindergartens in der Kernstadt oder zugunsten einer Zusammenlegung mit dem Nachbarkindergarten geschlossen werden soll.


In keinerlei sachlichem Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über Betreuungskonzepte steht für uns die Argumentation der Katholischen Kirchengemeinde, Eiersheim habe nach der Schließung des Kindergartens neben der Kirche immerhin noch ein weiteres kirchliches Gebäude, das umgebaute Pfarrhaus. Dieses wurde in den vergangenen Jahren in Eigenleistung von den Eiersheimern zu einer Begegnungsstätte hergerichtet und soll nun als K.-o.-Kriterium herhalten? Leerstehende Pfarrhausgebäude und Gemeinderäume gibt es schließlich auch in den benachbarten Pfarrgemeinden der Seelsorgeeinheit.

Wir sehen in der Schließung unseres Kindergartens eine klare Benachteiligung unseres Ortes. Bau- oder zuzugswillige Familien entscheiden sich vielleicht dann nicht mehr hier zu leben bzw. wandern ab.

Die vielen Feste und Aktivitäten, bei denen die Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen im Eiersheimer Dorf- und Vereinsleben eingebunden sind, zeigen, wie wichtig und notwendig ein generationsübergreifender Austausch für die gesamte Dorfgemeinschaft ist. Deshalb fordern wir ein dezentrales Betreuungskonzept, in Anlehnung an die von der Stadtverwaltung in der Gemeinderatssitzung vorgestellten und diskutierten Variante 4 mit folgender Abwandlung:

Unsere Variante 5: Erhalt aller Kindergärten in den Ortsteilen und Neubau eines ökumenischen Kindergartens in der Kernstadt. Die Ortsteile würden gestärkt in die Zukunft blicken, die Kernstadt Külsheim würde ein neues Kindergartengebäude erhalten und den beiden Kirchengemeinden würde eine ökumenische Einrichtung unter gemeinsamer Trägerschaft auch gut zu Gesicht stehen. Dass diese Kooperation funktioniert, zeigt der Kindergarten in Wertheim-Wartberg.


Ein „Leuchtturmprojekt“ in der Kernstadt, wie es uns in der Gemeinderatssitzung angepriesen wurde, halten wir für nicht erforderlich. Wir wissen unsere Kinder in unserem gut funktionierenden Kindergarten und in dem bestehenden sozialen Gefüge, das unsere Ortschaft Eiersheim bietet, gut aufgehoben und für die Zukunft bestens vorbereitet.

Stefanie Hemmerich, Erste Vorsitzende des Kindergartenfördervereins, Eiersheim

Andreas Baumann, Eiersheim

Anette Krug, Gründungs- und ehemaliges Vorstandsmitglied des Kindergartenförderverein, Eiersheim